Geschichte und Glaube

Morano Calabro
Nationalpark Pollino

Arbëresh-Gemeinden und Marienverehrung

Das Durchqueren der Region gleicht einer faszinierende Reise in die Geschichte. Seit der Steinzeit ist diese Gebiet besiedelt, wie die über elftausend Jahre alten Ritzzeichnungen des großen Stieres in der Romito-Grotte von Papasidero bezeugen. Man quert die Orte des Pollino aus römischer Zeit, wie Morano Calabro. Der suggestive, halbkreisförmige Ort bezauberte schon den Maler M.C. Escher, der ihn mehrfach zeichnete. Dazu kommen die langobardischen Altstädtchen wie Laino Castello sowie die Siedlungen der Arbëresh-Gemeinde. Sie haben ihren Ursprung in der Einwanderung albanischer Flüchtlinge und Kämpfer, die sich hier zu Beginn des 15. Jh. niederliessen, Frascineteo, Civita, Firmo, Lungro, Acquaformosa, San Costantino und San Paolo Albanese, die letzteren auf der lukanischen Seite des Parks. Es handelt sich um sehr geschlossene Gemeinschaften, in denen ausser der Sprache auch noch die Arbëresh-Trachten und orthodoxe Riten lebendig sind. Zu dieser Konfession gehören zahlreiche Kirchen in der Region, zu den bedeutendsten zählt San Giovanni Battista in Acquaformosa. Andere wichtige christliche Kultorte sind die Marienheiligtümer, oft an landschaftlich besonders reizvollen Plätzen. Sie locken zahlreiche Gläubige an: Madonna del Pollino in San Severino Lucano, Santa Maria delle Armi in Cerchiara di Calabria, die das wundertätige Bildnis der schwarzen Madonna birgt, und die Madonna von Pettoruto in San Sosti, ein Heiligtum, das die Überreste der antiken byzantinischen Festungsstadt Kastron dei Casalini überragt. In Ferramonte di Tarsia befand sich hingegen das größte faschistische Internierungslager Italiens, wo in einem Museum diese dramatische Zeit des 20. Jh. rekonstruiert wird.
Geschichte und Glaube
centro storico Tiriolo
Nationalpark Sila

Auf den Wegen Joachim von Fiores

Weiter gen Süden kommt man in den Nationalpark Sila. Zu den ältesten Spuren menschlicher Anwesenheit zählt das jungsteinzeitliche Dorf am Südufer des Cecita-Sees aus der Zeit um 3.500 v. Chr. Die Sila war Holzquelle der ionischen Städte Großgriechenlands. Im Mittelalter wurde sie Zufluchtsort für Scharen von Basilianermönchen, die sich Klöster erbauten, die noch heute zu besichtigen sind, wie Santa Maria del Patire bei Rossano. An den von Einsiedlermönchen, Seligen und Heiligen errichteten Kultstätten ist Spiritualität erlebbar. Die aussergewöhnliche Abtei Florense von San Giovanni di Fiore wurde im 13. Jh. errichtet. Nur wenig entfernt war vom Abt Joachim von Fiore das Urkloster gegründet worden, das durch ein Feuer 1214 zerstört wurde. Das Heiligtum von Sant'Umile wurde gegründet durch den Seligen Pietro Cathin, einem Abgesandter des Heiligen Franz von Assisi. Er sollte das Franziskanerkloster in Bisignano errichten, einem antiker Ort und Bischofssitz, dessen Geschicke eng mit den Fürsten Sanseverino verbunden war. Die Sila Greca hingegen bewahrt die Zeugnisse der Arbëresh-Gemeinden, besonders in dem Ort San Demetrio Corone. Weiter im Süden zu Füßen der Sila Piccola befindet sich der Ort Taverna, wo im Jahr 1613 der berühmte Maler Mattia Preti geboren wurde. Das städtische Museum birgt wertvolle Werke von ihm. Weiter in Richtung der Serre kommt man nach Tiriolo, einem seit der Jungsteinzeit bewohnten Ort. Seine Anhöhen beherrschen beide Meere, wie auch das benachbarte Grifalco,ein mittelalterlicher Ort am schmalsten Punkt des Isthmus von Catanzaro. Hier führte die antike griechische Strasse hindurch, die das Ionische mit dem Tyrrhenischen Meer verband.
Panorama S. Nicola da Crissa
Nationalpark Sila

In den Wäldern zwischen Kartausen und Bergwerken

Die Reise führt weiter nach Süden zum Park der Serre. Im mittelalterlichen Städtchen Monterosso war die alte Grafitmine bis zur Mitte des 20. Jh. in Betrieb. Das Mineral wird heute wieder für die traditionelle natürliche Textilfärbung verwendet. Im Ort befindet sich das multimediale Museum der kalabrischen Serre, in dem die Geschichte der Region und ihrer Bevölkerung erzählt wird. Anschliessend kommt man nach San Nicola da Crissa, dem „Balkon Kalabriens“, von dem der Blick bis zum Ätna reicht, und danach nach Torre di Ruggiero, dem normannischen Städtchen mit seinem Heiligtum der Madonna delle Grazie, das „Lourdes der Serre“ genannt. Hier beginnt einer der faszinierendsten aber auch herausfordernsten Streckenabschnitte, derjenige der Serra die San Bruno. Unvermittelt taucht aus dem dichten Wald das erste Kartäuserkloster Italiens auf, errichtet zwischen 1090 und 1101 durch Bruno von Köln, dem Gründer des Ordens. Der Heilige liegt im benachbarten Heiligtum Santa Maria del Bosco begraben. Die Kartause ist ein Ort tiefer Spiritualität, die heute noch von den Mönchen gelebt wird. Besucher können sie dank eines fesselnden Erlebnispfades kennenlernen. Das majestätische Kloster findet sein Pendant im Dominikanerkonvent des benachbarten Soriano Calabro, das zu den bedeutendsten Europas gehörte und durch ein Erdbeben im Jahr 1783 zerstört wurde. Die monumentalen Überreste mit der Fassade kann man noch heute bewundern. Weiter nach Süden führt der Radweg nach Mongiana, wo sich das eindrucksvolle Eisenwerk der Ferdinandea befindet. Gegründet wurde es durch den Bourbonischen König Ferdinand II. Das „Museum der Waffenschmiede“ erlaubt die vollständige Besichtigung des Komplexes. Nicht weit davon befindet sich eines der Wahrzeichen Kalabriens, die Kathedrale von Stilo.
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Gambarie, Mausoleo di Garibaldi
Nationalpark Sila

Wo der Wind der Geschichte weht

Im Herzen des Aspromonte angelangt, durchquert der Radweg Fabrizia. Es wurde vom Fürsten von Roccella, Fabrizio Carafa, im 16. Jh. gegründet, als Ort des Austauschs für Produkte der Berge und des Meeres. Vom Händlerpass, der seit der griechischen Antike die beiden kalabrischen Küsten miteinander verbindet, und Piani di Zervò, wo sich zwischen dichten Buchen- und Koniferenwäldern das ehemalige Sanatorium Vittorio Emmanuele II. befindet, gelangt man nach Canolo. Das prächtige mittelalterlichen Bergstädtchen liegt zwischen zwei Canyons in den „Dolomiten des Südens“. Die Reise führt weiter nach Gambarie und kreuzt die Pfade der Briganten, die zum Montalto hinaufführen, der höchsten Erhebung des Aspromonte. Von hier kann man atemberaubende Aussichten geniessen, vom östlichen Sizilien bis zur Sila, vom Ionischen zum Tyrrhenischen Meer. In westlicher Richtung, im uralten Kieferwald von Sant'Eufemia di Aspromonte, steht bis heute der riesige Baum, unter dem der Freiheitsheld Giuseppe Garibaldi nach seiner Verwundung im Jahre 1862 lagerte. Ein Mausoleum erinnert an seine Taten. In Richtung des Ionischen Meeres hingegen befindet sich das Heiligtum Santa Maria di Polsi (862 m), „die Madonna der Berge“, wo inmitten der bezaubernden Natur eines der berühmtesten Volksfeste des Aspromonte gefeiert wird. Der englische Schriftsteller und Maler Edward Lear schrieb in seiner „Reise durch Kalabrien“ 1847: „Zweifellos eine der bewegendsten Szenen, die ich je gesehen habe.“ Die letzte Etappe des Radweges führt vom Monte Basilicò, einem der schönsten Gipfel des Aspromonte, hinunter ans Meer ins prächtige Reggio Calabria. Der „Ort des Windes“ ist eine der ältesten Städte Europas. Reggio zählte zu den ersten griechischen Kolonien in Süditalien und wurde in einem Gebiet gegründet, das bereits von Ausoniern und Oinotriern bewohnt war. Die vieltausendjährige Geschichte wird bezeugt von den Objekten im Archäologischen Nationalmuseum, zu denen die beeindruckenden Bronzestatuen von Riace gehören.
Geistlich Historisch Abenteuerlich

Wege und Pfade

Für Wanderfreunde und Spaziergänger bietet Kalabrien attraktive Wege. Zwischen der Sila und dem Meer gibt es den „Weg des Heiligen Franz von Paola“, der in San Marco Argentano beginnt und in Paola am tyrrhenischen Meer endet; weiter im Landesinneren lädt die Sila ein auf den „Weg Joachim von Fiores“, von der Abtei Corazzo nach San Giovanni in Fiore. Durch das Herz des Aspromonte verläuft der „Weg des Engländers“ der den Spuren des Schriftstellers und Malers Edward Lear folgt. Zwischen Aspromonte und den Serre wiederum kann man den bezaubernden „Weg der Briganten“ von Gambarie nach Stilo gehen. Zu guter Letzt bieten die 31 Etappen des „Sentiero Italia“ des CAI (Italienischer Alpenverein) die Möglichkeit, den gesamten Höhenrücken des Apennin entlang zu wandern, vom Monte di Reggio bis Morano Calabro
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